Auszug „20 Jahre Förderverein“ aus der Festschrift zum 20jährigen Bestehen der Gesamtschule

Schätzungsweise existieren heute ca.20.000 Schulfördervereine mit über 2 Mio. Mitgliedern. Fördervereine waren zur Zeit der Gründung unserer Schule im Jahre 1991 noch nicht so selbstverständlich wie heute. Doch auch damals gab es natürlich Wünsche über den Bedarf des regulären Lehrbetriebs hinaus und so gründeten bereits im November 1991 einige Eltern den Verein der Freunde und Förderer der Gesamtschule Bonn II. 1992 zählte der Verein 31 Mitglieder.

Was liegt näher als die Gründungsvorsitzende zu einem Gespräch einzuladen und zu hören, was sich hinter diesem nüchternen Datum alles verbirgt. Frau Mechthild Ritter war nicht nur von 1991 bis 2000 die erste Vorsitzende des Fördervereins, sondern gehörte auch zur Gründungsinitiative einer zweiten Bonner Gesamtschule, die sich bereits zwei Jahre zuvor zu regelmäßigen Treffen im „Anno Tubac“ zusammenfand. Beim ersten Anlauf scheiterte der Versuch der Schulgründung knapp an der Anmeldezahl von 112 Schülerinnen und Schülern, aber Frau Ritter blieb hartnäckig und im zweiten Anlauf war es gar kein Problem mehr, genügend Anmeldungen zu erreichen. So konnten trotz vieler politischer Widerstände die ersten vier Klassen 1991 den Betrieb in Röttgen aufnehmen. Interessant war auch zu erfahren, dass Herr Wagner bereits die Gründungsinitiative mitunterstützte und sich als Bewerber um die zukünftige Schulleitung outete.
Wen überrascht es da noch, dass Herr Wagner natürlich auch bei der Gründung des Fördervereins mit von der Partie war und deshalb auch bis heute die Mitgliedsnummer 001 führt. Die erste Satzung wurde in Anlehnung an bereits bestehende Fördervereine formuliert.

An den Zielen der Förderung des Lehrbetriebs und Unterstützung bedürftiger Schüler hat sich eigentlich bis heute nichts geändert, neu hinzugekommen ist lediglich die Unterstützung der 1998 neu gegründeten Orchesterarbeit.
Frau Ritter erinnert sich noch genau, dass als eine der ersten Fördermaßnahmen zur Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs und der Schaffenskraft der Lehrer eine Kaffeemaschine angeschafft wurde. Dies war nicht ganz unstrittig, aus heutiger Sicht aber absolut satzungskonform, denn wer konnte damals ahnen, dass damit der Grundstein für das heutige Schülercafé gelegt wurde.

Von Anfang an war es das Ziel des Vereins, dass alle Kinder – auch aus sozial schwachen Familien – an Klassenfahrten und Schulausflügen teilnehmen könnten. Ein Projekt der ersten Stunde war auch die Bibliothek und durch die steigende Mitgliederzahl war es 1996 sogar möglich eine Bibliothekarin für einige Zeit festeinzustellen. Die Bibliothek wird bis heute auch vom VFF unterstützt und an dieser Stelle gilt es, ein besonderes Dankeschön an Peter Hagedorn auszusprechen, der über viele Jahre ehrenamtlich die Bibliothek betreut hat.

Die anwachsende Mitgliederzahl verdanken wir insbesondere dem bereits erwähnten Mitglied mit der Nr. 001, unserem ehemaligen Schulleiter Peter Wagner. Unvergesslich auch für Frau Ritter die alljährlichen Parcours mit Herrn Wagner zu Beginn des neuen Schuljahres in der ersten Klassenpflegschaftssitzung der 5. Jahrgänge. Auch mir war es beim ersten Auftritt mit Herrn Wagner sehr unwohl. Die Einführung lautete ungefähr wie folgt:
„Ich darf Ihnen den Vorsitzenden des Fördervereins, Herrn Schlag, vorstellen, er wird Ihnen nun etwas zum Förderverein erzählen, während ich die Aufnahmeanträge verteile. Bitte füllen Sie diese jetzt sofort aus, da wir diese gleich mitnehmen werden. Sollten Sie Ihre Bankverbindung gerade nicht parat haben, kein Problem, das klären wir später, Hauptsache sie haben unterschrieben.“ Wie unangenehm diese Auftritte auch sind, so ist es die einzige Gelegenheit, möglichst viele Eltern als Förderer zu gewinnen. Deshalb werden mein Nachfolger Peter Linden und die neue Schulleiterin, Frau Andrea Frings, am 26. September ihre Premiere beim Einwerben neuer Mitglieder haben.

Highlights eines jeden Vereins sind die jährlichen Mitgliederversammlungen. Kämen hierzu alle Mitglieder, dann würde heute nicht einmal die große Schulaula als Versammlungsraum ausreichen, denn zwischenzeitlich haben wir fast 900 Mitglieder. Tatsächlich sind die Versammlungsteilnehmer ohne Vereinsfunktion an zwei Händen abzuzählen. Neben einigen Eltern und dem Schulleiter war zumindest auf drei Lehrer immer Verlass: Herrn Martin Schlu, Herrn Dr. Arnold Maurer und Herrn Bernd Winter. Ein Mitglied meinte zur geringen Beteiligung, die Eltern wüssten, dass der Verein gute Arbeit leiste und solange dies so sei, gebe es für die meisten keine Notwendigkeit zu erscheinen. Dieses Lob half dem Vorstand zukünftig, mögliche Frustrationen über mangelndes Interesse zu vermeiden. Im Rahmen einer aufwendigen Satzungsänderung – jeder Vereinsmeier weiß, wovon wir reden – laden wir deshalb auch nicht mehr per Post zu den Versammlungen ein, sondern haben den letzten Donnerstag vor den Osterferien als wiederkehrenden Versammlungstermin festgelegt. Das wirkt sich erfreulicherweise auch positiv auf unsere Portokasse aus.

Herr Wagner war aber immer bemüht neben dem Förderverein auch noch andere Sponsoren zu finden, sodass es uns gelang, weit mehr als die Mitgliedseinnahmen an Fördermaßnahmen zu finanzieren. Der Mitgliedsbeitrag betrug 1991 12 DM und beträgt heute 10 Euro, im Vergleich mit der allgemeinen Preisentwicklung geradezu eine Beitragssenkung im Zuge der Euroeinführung. Dies dürfte seinesgleichen suchen, wenn wir uns die aktuellen Debatten um den Euro vor Augen führen.

Lieh sich Frau Ritter früher vom Jugendamt eine Button-Maschine aus, um durch den Verkauf auf Schulfesten etc. erfolgreich zusätzliche Einnahmen zu erzielen, so ist der Förderverein heute finanziell so gut aufgestellt, dass er nun der Schule eine Button-Maschine für die Zwanzigjahrfeier finanzieren konnte.

Als erste zusätzliche Einnahmequelle für den VFF ist das Schülercafé hervorzuheben, das durch die ehrenamtliche Mithilfe vieler Eltern jedes Jahr seinen Überschuss dem VFF zukommen lässt. Somit war die Anschaffung der ersten Kaffeemaschine tatsächlich satzungskonform und der Grundstein für das heutige Schülercafé, denn zu Recht forderten die Schüler zur Aufrechterhaltung der Lernfähigkeit ebenfalls eine Kaffeemaschine. Die engagierten Eltern und Frau Gerda Schuster als Lehrerin erhielten deshalb auch den Förderpreis 2009/2010. Dieser Preis wurde 2008 vom VFF ins Leben gerufen. Ziel ist es, einmal im Jahr Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule und/oder Eltern für ein besonderes Engagement auszuzeichnen.

Die Kosten und Erträge der Photovoltaik-Anlagen werden ebenfalls über den Förderverein abgewickelt, die Zuschüsse zum Bau der Anlage amortisieren sich im Laufe der Jahre durch die Erträge und geben zusätzlichen finanziellen Spielraum.

Was haben nun die Vorstände des VFF mit dem ganzen Geld gemacht? Die Auflistung aller Aktivitäten und Maßnahmen würde den Rahmen dieses Artikels eindeutig sprengen – wer es ganz genau wissen will, kann dies in den jährlichen Rechenschaftsberichten oder auf unserer Webseite nachlesen.

Zu den Beratungen des Vorstands war übrigens auch immer die Schulleitung eingeladen. Herr Wagner war sehr darauf bedacht, immer daran teilnehmen zu können, und auch Frau Frings als neue Schulleiterin hat sofort die Bedeutung des VFF für die Schule erkannt. Auch in Ihrem prallen Terminkalender sind die Vorstandssitzungen des VFF Pflichttermine.

Was also steht auf so einer Agenda einer Vorstandssitzung?

Beginnen wir mit den bereits erwähnten Klassenfahrten. Diese sind sehr wichtig für den Klassenverband, die Kosten belasten sozial schwächere Familien häufig so stark, dass eine Mitfahrt dieser Schüler ohne die Zuschüsse des Vereins vielfach nicht gewährleistet wäre. Es ist bislang immer gelungen, die Teilnahme an den Fahrten allen Schülern und Schülerinnen zu ermöglichen.

Jedes Jahr wird eine Vielzahl von Schulprojekten unterstützt, wobei ein großer Teil der Finanzmittel in die Ganztagsbetreuung, sprich Nachmittags-AGs fließt. Weitere Beispiele sind die bereits seit Jahren praktizierte finanzielle Unterstützung des Selbstbehauptungskurses im 6. Jahrgang sowie des Gewaltpräventionstrainings im 7. Jahrgang.

Die Einnahmen und Ausgaben des vom VFF im Jahr 2000 initiierten Schulorchesters wurden bislang kostendeckend durch den Förderverein verwaltet. Zum Ende jedes Jahres wird die erfolgreiche Orchesterarbeit in der Schule präsentiert. Seit 2008 bietet das Orchester eine Stelle Freiwilliges Soziales Jahr Kultur an, welche zu großen Teilen vom VFF finanziert wird. Das Orchester steht inzwischen so fest auf eigenen Füßen, dass es nun ganz in die Hände der Schule übergeben werden konnte. Ein besonderer Dank geht an die Mitbegründerin und langjährige Kassiererin Ute Seyock sowie den Lehrer und Leiter des Orchesters, Martin Schlu.

1996 nahm die Gesamtschule behinderte Schülerinnen und Schüler auf, was im Vorfeld unter den Eltern sehr konfliktreich diskutiert wurde. Mit gewissem Stolz berichtet uns Frau Ritter, dass sie sich mit Ihren Mitstreitern erfolgreich hat durchsetzen können. Die Integrationsschüler hatten bislang je nach Behinderungsart und -grad einen Anspruch auf die Begleitung durch einen Zivildienstleistenden, der den Schulbesuch in einer Regelschule ermöglichen soll. Zuletzt haben drei Zivildienstleistende Integrationskinder betreut. Die Finanzierung erfolgt über verschiedene Stellen, die finanzielle Abwicklung leistete bislang der Förderverein (Zivildienststelle), bei der Auswahl und Betreuung der Zivis und Praktikanten machte sich zuletzt Frau Loretta Bading-Weiss sehr verdient. Wie durch die Umstrukturierung des Freiwilligendienstes die Betreuung der Integrationsschüler gewährleistet werden kann, ist gegenwärtig leider offen.

Im Jahr 2003 ging unser besonderer Dank an den unfreiwilligen, anonymen Spender, der aufgrund einer Bußgeldzahlung eine größere Spende im fünfstelligen Bereich leistete. Damit begann der Traum vom eigenen Basketballplatz. Das Geld wurde gehegt und gepflegt und war auf jeder Mitgliederversammlung Gegenstand der Beratung. Nachfolger von Frau Ritter und Vorsitzender von 2000 bis 2005 war Herr Jürgen Maaß, der leider viel zu früh verstarb und nicht mehr miterleben konnte, wie stattdessen ein neues Schulgebäude mit einer Mehrzweckhalle auf unserem zukünftigen Basketballplatz errichtet wurde.

Nun mussten wir nach Alternativen suchen, um das angesparte Geld vernünftig auszugeben. Der Gedanke eines Vereinsheims wurde nach kurzer Zeit verworfen und stattdessen eine Klausurtagung zur Erarbeitung langfristiger Investitionen einberufen. Nach kreativer Arbeit hatten wir einen Maßnahmenkatalog, der Investitionen im hohen fünfstelligen Bereich auflistete, die mittlerweile in vielen Bereichen der Schule, innerhalb und außerhalb der Gebäude sichtbar sind. Als größtes Projekt im wahrsten Sinne des Wortes ist die Kletterlandschaft zu nennen, weitere Anschaffungen des VFF waren Außensitzgruppen, ein Laptopcontainer, Sportgeräte, die Einrichtung des Fitnessraums, Neuanschaffungen für die Bibliothek, Regale im Orchesterraum sowie ein Beitrag zur Kiosktheke.

Also 20 Jahre VFF können sich sehen lassen und wir danken allen, die sich für und im VFF engagiert haben. Es wird sich auch zukünftig im Interesse der Schüler und der Schule lohnen, Teil des VFF  zu sein. Kontakt und weitere Infos auch zur Geschichte des Vereins unter www.vff-igs-bonn.de.

Adalbert Schlag (Vorsitzender von 2005 bis 2011)
Peter Linden (Vorsitzender seit 2011)

Mechtild Ritter (Mitte), Adalbert Schlag (links), Peter Linden (rechts)

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